Ein paar Gedanken – Fanboys und Spezialisierung

Jeder hat sein Lieblingsding. Sei es das Auto, Klamotten, Taktische Ausrüstung, Schuhe oder auch Waffen. Zugegebenermaßen fällt bei den meisten ersteres und letzteres quantitativ eher kleiner aus, doch sammelt man zumindest seine Erfahrungen. Jedem Schützen wird es in Bezug auf seine Lang- oder Kurzwaffe so ergehen. Früher oder später bleibt man aus verschiedenen Gründen an einer Waffe und Setup hängen, entwickelt seine Vorlieben, auch in Bezug auf Übungen, erzielt immer bessere Ergebnisse und beginnt sich zu spezialisieren. Der eine oder andere wird zum Fanboy. Sein Gerät ist “das Beste”, schließlich kann er entsprechende Resultate nachweisen und Zubehör und Ausstattung und Material ist aufgrund von Gründen viel, viel besser. Ob es sich nun dabei um eine bestimmte Marke, System oder Kaliber handelt; zumindest er fühlt sich wohl damit und es liegt in der Menschlichen Natur, andere Menschen vom eigenen Standpunkt überzeugen zu wollen. Beispiele hierfür gibt es zu genüge. Man siehe sich nur die ewigen Zankäpfel AR15 vs. AK, Glock vs. 1911 oder Kal X. vs. Kal. Y an. Höre ich mich in Kameradenkreis um, zwischen Vereinskollegen oder anders wo, wo viel, gerne und professionell mit Waffen gearbeitet wird, verteidigt jeder seine Ansichten und Ausrüstung. Und ich glaube (fast) jeden einzelnen.

Bei der „X gleich besser als Y“ Diskussion und deren zugrunde liegenden Fakten sehe ich jedoch gar nicht das Problem. Ich sehe das Problem dort, wo eine Situation entsteht und X oder Y nicht greifbar ist. Wie effizient kann man eine Waffe nutzen, die nicht den eigenen Vorlieben oder der Gewöhnung entspricht?

Für einen Sportschützen wird sich die Frage nach einer höheren Versatilität, außerhalb seines eigenen Inventars an Waffen, wohl weniger stellen, doch auch dieser könnte Gefahr laufen, z.B. im Falle technischer Defekte, auf Ersatzgeräte zurückgreifen zu müssen.
Eine ganz andere Gewichtung sollte der Versatilitätsfaktor für all diejenigen einnehmen, die mit viel höherer Wahrscheinlichkeit darauf angewiesen sind, fremde Waffen zu adaptieren. Gerade Private Sicherheitsdienstleister können schnell in die Situation geraten am Einsatzort mit Waffen arbeiten zu müssen, die sich mitunter stark von dem unterscheiden, welche sie regulär im Training nutzen.
Auch Angehörige von Polizei oder Militär können mit diesen Umstand konfrontiert werden. Man mag es aufgrund der Einheitlichkeit und staatlichen Versorgung kaum glauben, aber auch hier kann es aufgrund Materieller Engpässe/Änderungen oder im ungünstigsten Fall, aus der Situation heraus durchaus dazu kommen, mit anderen Mitteln arbeiten zu müssen.
Überspezialisierung, Arroganz oder der Unwille über den eigenen Tellerrand zu blicken, kann in schlechten Wettkampfergebnissen münden. Für einige andere, wird es vielleicht sogar zu einer Überlebensfrage werden.

Um dies gar nicht erst soweit kommen zu lassen, bedarf es nicht nur den steten Willen sich selbst permanent in Grundlagen in Übung zu halten und sich auf neuen Waffensystemen zu schulen. Man sollte sich selbst fragen, ob es tatsächlich ausreicht nur diese eine Waffe oder diesen Waffentyp zu beherrschen. Und reicht es tatsächlich aus, nur Schusswaffen zu beherrschen? Was nützt es einem mit dem Gewehr unschlagbar zu sein, aber an einem 100m Sprint oder einfachen Faustkampf zu scheitern? Als unbeweglicher Klumpen und ohne taktische Sensibilität, ist man nichts weiter als eine gefährliche Zielscheibe. Und auch zäher, erfahrener Nahkampfexperte ist so hilflos wie jeder andere, solange er nicht nah genug an sein Ziel herankommt.

Es ist ok Fanboy zu sein. Es ist ok sich zu spezialisieren. Nur dürfen diese Dinge nicht blind machen. Adaptionsfähigkeit, permanentes lernen und Vielseitigkeit der eigenen Fähigkeiten ist der Schlüssel zum Erfolg.

Meine Gedanken zum Artikel „One mind – any weapon“, erschienen bei sofrep.com.

Link: https://sofrep.com/90582/one-mind-any-weapon/

~Mike

Latest Articles